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Operation Hernia




Entwicklungshilfe von Bürger zu Bürger:

„Operation Hernia“ in Ghana 2010
 

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In Deutschland ist ein Leistenbruch kein Problem. In der Regel wird der Patient  zeitnah  operiert und kann sofort oder innerhalb weniger Tagen die Klinik oder chirurgische Praxis  verlassen.  Ganz anders sieht dies in den meisten Ländern Afrikas aus. Dort gibt es viel zu wenig Chirurgen. 

 

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Das hat zur Folge, dass sich die Brüche enorm vergrößern können und  erhebliche Schmerzen  verursachen. Dadurch können meistens  Männer Ihrer  körperlich belastenden Arbeit nicht mehr nachgehen oder sterben an unbehandelten eingeklemmten Leistenbrüchen, denn viel zu wenig Krankenhäuser in ländlichen Gebieten können auf Grund des Ärztemangels diese Operation anbieten.  

   

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Einleitung

Ein Operationsteam aus dem Klinikum Merheim in Köln hat sich unter Leitung von Dr. Karl-Heinz Moser (Leiter des Hernienzentrums Köln Merheim) und Prof. Dr.Markus Heiss (Chefarzt der Viszeral,Gefäß und Transplantationschirurgie der Universitätsklinik Witten- Herdecke), OA Jürgen Meyer und Dr. Andreas Kremer als Narkosearzt im  Juni diesen Jahres unentgeltlich  innerhalb von 2 Wochen 137 Leistenhernien in einem von Baptisten geleiteten Krankenhaus im Norden Ghanas zur Grenze von Burkina Faso operiert.

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Operation Hernia

Organisiert wurde dieser Einsatz in Zusammenarbeit mit der internationalen Hilfsorganisation  „ Operation Hernia“.

Diese Organisation hat sich zum Ziel gesetzt alle Arten von Bauchwandbrüchen  in Entwicklungsländern zu behandeln, in denen dies durch einheimische Kräfte nicht möglich ist. Die Patienten werden von örtlichen Gesundheitshelfern vordiagnostiziert und vorbereitet. Über Rundfunk, lokale Zeitungen oder Aushänge wird die Bevölkerung über die Ankunft  der Experten unterrichtet. Bislang hat „Operation Hernia“  29 Missionen mit Teams aus Großbritannien, Griechenland, Spanien, Italien, Belgien, Polen, Tschechien, Niederlanden, Südafrika und Deutschland koordiniert. Die meisten Teams wurden bisher von Großbritannien gestellt dem Ursprungsland der Organisation. Gründer im Jahre 2005  war der international renommierte Hernienchirurg Prof. Dr .Andrew Kingsnorth.„Operation Hernia“ arbeitet eng mit den offiziellen medizinischen Einrichtungen des jeweiligen Landes eng zusammen. Die internationalen Teams werden von Operateuren geleitet, die nachweislich mehr als 350 Hernien pro  Jahr operieren.  Alle medizinischen Helfer werden in den jeweiligen Ländern offiziell registriert. Die von den Teams durchgeführten Operationen und deren Resultate werden dokumentiert, kontrolliert und wissenschaftlich ausgewertet. Die eingesetzten medizinischen Instrumente, Medikamente und Materialien müssen europäischen Standards entsprechen. Damit soll auch unter schwierigen hygienischen und räumlichen Verhältnissen eine adäquate Versorgungsqualität sichergestellt werden.  

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Problem der Leistenbruchversorgung

in Afrika am Beispiel Ghanas

Ca. 15 Millionen Menschen warten in Afrika auf die Versorgung ihres Bauchwandbruches. Die Zahl  der Neuerkrankungen pro Jahr  ist mit einer Inzidenz von 150/100000 Einwohner genauso so hoch wie  in Europa.  Bezogen auf Ghana erkranken pro Jahr 35000 Menschen an einem Leistenbruch. Die Prävalenz ist jedoch zehnmal höher als in Europa.  In Ghana warten 300000 Menschen auf eine Hernienoperation. Dieser Umstand  ist damit zu erklären, dass in Ghana ca. 50 ausgebildete Chirurgen 22 Millionen Menschen versorgen müssen (Chirurgendichte 1:400000). Die ghanaischen Chirurgen sind aber fast ausschließlich in den großen Städten tätig.  Damit findet de facto eine chirurgische Versorgung der ländlichen Bevölkerung praktisch nicht statt.Von den derzeit in Ghana registrierten 1700 Ärzte arbeiten 1150 in der Hauptstadt Accra mit 2,9 Millionen Einwohnern. Die Arztdichte in Ghana beträgt demnach  in Accra 1:5624 und im Norden Ghanas 1:45568 (Ghana Health System 2007). Zum Vergleich: Deutschland hat eine Arztdichte von 1:285 (Stat. Bundesamt 2009).Erschwerend zum Ärztemangel kommt hinzu, dass  2/3 der Ärzte, Ghana innerhalb der ersten 3 Jahre nach der Approbation das Land verlassen, um im besser zahlenden Ausland zu arbeiten. Dies führt zur paradoxen Situation, dass in New York mehr Ärzte aus Ghana arbeiten als in Ghana selbst.  Das erklärte WHO Ziel ist weltweit eine Arztdichte von 1:435. Würde man dieses Ziel auf die Ausbildungs- und Auswanderungssituation der Ärzte in  Ghana anlegen,  so bräuchte Ghana auf Grund der heutigen Situation 36 Jahre  um diese WHO Ziel zu erreichen.Die meisten Ärzte müssen deshalb chirurgische und geburtshilfliche Tätigkeiten übernehmen, auch wenn sie dafür nicht ausgebildet wurden. Ein erklärtes Ziel der Operation Hernia ist deshalb einheimische operative Ärzte vor Ort in den modernen Techniken der Hernienchirurgie zu unterrichten. 

Die Mission

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Die WHO schätzt die Kosten einer Leistenbruchoperation in einem Entwicklungsland auf 74 USD. Die Aufwendungen für das OP-Material wurden vom Kölner Team  mit Hilfe von 2 Wohltätigkeits-Konzerten mit Sheila Arnold (Piano) und Trio AKT (Jazz)  in Köln und durch großzügige Materialspenden von Seiten der Industrie finanziert. Obwohl das Team mit Netzen von der Industrie ausgestattet wurde, war es bei Preisen von 30 -221 Euro pro Netz in Deutschland klar, dass diese Netze sich nach Abzug der Teams nur wenige  Patienten in Afrika leisten können. Um eine nachhaltige Hilfe in Gang zu setzen und für die Patienten auch nach dem Abzug der Teams bezahlbar zu machen, wurden deshalb auch Moskitonetze eingesetzt. Als Schnittmuster für die Netze zur Leistenbruchoperation diente eine Fanta Dose. Die Netze wurden zusammen mit den chirurgischen Instrumenten sterilisiert und die Kosten konnten damit  für ein Moskito- Netz aus Polyethylen unter 1 Cent gesenkt werden.
Die meisten Operationen mussten in Lokalanästhesie oder Spinalanästhesie durchgeführt werden, da im Baptisten Krankenhaus von Nalerigu kein Sauerstoff zur Verfügung stand. Die Patienten waren überwiegend Männer und Kleinkinder.  Das Team war von der Duldsamkeit der Menschen im Norden Ghanas sehr beeindruckt. Die Kinder und Erwachsenen zeigten keine Angst und ertrugen manchmal auftretende Schmerzen nahezu heroisch. Die Schwestern und Pfleger waren sehr kompetent und bemüht, wenn auch der Hygienestandard nicht europäischen Ansprüchen entsprach. So war ein Pfleger immer mit einer Fliegenklatsche (Bild) ausgestattet, um die Fliegen vom Operationsfeld oder dem Gesicht des Operateurs zu verjagen. Trotz dieser für Europäer befremdlichen Situation  traten bei den137 operierten  Patienten keine postoperativen Infektionen auf.

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Das Team war zur Zeit der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Ghana. Ghana hatte die beste afrikanische Mannschaft - die "black stars". Entsprechend groß war die Begeisterung der Kinder für den Fußball. Das Team schenkte den Kindern immer wieder Fußbälle - wie hier. Im Hintergrund sehen Sie Dr. Andreas Kremer unseren Narkosearzt, der auch Teil des Teams war und ein Benefiz-Konzert mit seiner Gruppe Akt bestritt.
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Fotos: Marion Koell www.marionkoell.com
 
© 2013 Chirurgische Gemeinschaftspraxis Köln, Dr. Moser und Dr. Liedtke
Hergestellt 2007 durch Dirk Timmermann