Als Handchirurgie bezeichnet man im medizinischen Sprachgebrauch
alle operativen Eingriffe, die an der Hand, dem Unterarm oder dem Ellenbogengelenk durchgeführt werden.
Alle diese Eingriffe sind meist in regionaler Betäubung möglich.            


                           Das anatomische Modell

                          der Hand aus Wachs     

                          (aus dem Jahre 1788, Josephinum, Wien)   


Dr. Hartwig Liedtke

                     Für uns gilt ein wichtiger Grundsatz:

Ist eine Operation vermeidbar,
       
                    wird auch nicht operiert !  

 


Merkblatt zur persönlichen OP- und Anästhesievorbereitung


Karpaltunnelsyndrom  (KTS)

Hierunter versteht man eine Einklemmung des Handmittelnervs, der mit den Fingerbeugesehnen durch einen Tunnel im Handgelenk führt. Leitsymptom sind vorwiegend Pelzigkeitsgefühl im Daumen, Zeige- und Mittelfinger mit nächtlichen Ruheschmerzen, von denen die Patienten erwachen. Das operative Therapieprinzip besteht in einer Spaltung des Karpaltunneldaches. Dies kann entweder klassisch von außen in der Daumenballenbeugefalte oder auch endoskopisch durch zwei winzige Schnitte am Handgelenk und Handfläche vorgenommen werden.

Karpaldachspaltung (Dekompression des Nervus medianus)


Tendovaginitis stenosans (Springfinger, Schnappfinger, 

                                      schnellender Finger, Ringbandstenose)

Verdickungen der Fingerbeugesehnen in Höhe des Grundgelenks können beim Bewegen an einem schnürenden Ringband hängenbleiben, so dass es zu einem schmerzhaften Schnappen des Fingers kommen kann. Falls eine konservative Behandlung nicht zum Erfolg führt, kann eine Spaltung des Ringbandes rasch Abhilfe schaffen. 

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Anna, 4 Jahre alt

Pollex rigidus oder Pollex flexus congenitus

In sehr seltenen Fällen kann dieses Phänomen auch bei Säuglingen oder Kleinkindern auftreten. Hier ist die Ursache eine knotenartige Verdickung an der Daumenbeugesehne in Höhe des Grundgelenkes.
In unserem Fall waren die Eltern sehr besorgt über den 'steifen' Daumen ihres Kindes.


Tendovaginitis stenosans de Quervain

                                 (Einengung des 1. Strecksehnenfachs)

Dieses Krankheitsbild wurde im Jahre 1895 nach Fritz de Quervain benannt. Bei dieser Sonderform einer schweren chronischen Sehnenscheidenentzündung treten Schmerzen bei der Streckung und Beugung des Daumens auf. In typischer Weise ist der Fausschluß bei eingeschlagenem Daumen dann schmerzhaft über dem körperfernen Ende der Speiche, wenn die Faust ellenwärts abgewinkelt wird (Positives Finkelstein-Zeichen).  Die operative Spaltung des 1. Strecksehnenfachs über einen 1,5 cm langen, querverlaufenden Hautschnitt schafft sofort Beschwerdeminderung oder sogar -freiheit.

Finkelstein-Test Image


Dupuytren Kontraktur (Morbus Dupuytren, Dupuytren'sche Kontraktur)

Der Anatom Felix Platter (Basel) war der Erste, der im Jahre 1614 dieses seltsame Krankheitsbild mit den gebeugten Fingern beschrieben hatte. Namensgeber aber war erst viel später der französische Chirurg Baron Guillaume Dupuytren mit seiner heroischen Pionier-Operation 1831.

Die exakte Ursache des Morbus Dupuytren ist nicht bekannt. Gesichert ist eine erbliche Disposition insbesondere in Nordeuropa. In Asien und Afrika ist diese pathologische Veränderung der Hand nahezu unbekannt.

Die zarten, fast durchscheinenden Sehnenstrukturen zwischen der oberflächlichen und tiefen Fettschicht in der Hohlhand (Palmarfaszie) beginnen irgendwann zu wuchern. Später sind derbe Gewebestränge und Knoten in der Handfläche tastbar, die dann im Laufe der Jahre zu einer zunehmenden Streckhemmung und Beugekontraktur der Finger (bevorzugt Ring- und Kleinfinger) führen. 

mehr dazu finden Sie     hier...


Ganglion (Überbein)

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dorsales 

Handgelenksganglion

rechts

Überbeine sind häufig vom Gelenk, seltener von einer Sehnenscheide ausgehende flüssigkeitsgefüllte Schwellungen, die abhängig von der Größe und dem Ort Beschwerden verursachen können. Die meist problemlose Entfernung beseitigt immer das Symptom - nicht aber die Ursache, so dass es zu Rezidiven kommen kann.

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Intraoperativer Befund

Dieses Ganglion ist über einen 1,5 cm langen feinen Kanal mit dem Handgelenk verbunden, aus dem die weiß-gelbliche, geleeartige Flüssigkeit stammt


Epicondylitis radialis humeri (Tennisellenbogen)

Immer wiederkehrende abrupte Lastwechsel können am Sehnen / Knochenübergang zu schmerzhaften und bewegungsbehindernden Reizerscheinungen führen. Ein häufiger Schmerzpunkt ist ein Sehnenansatz an der Ellenbogenaußenseite. Nach erfolgloser konservativer Behandlung (Osteopathie, Cortisoninjektion) kann durch Ablösen, Einkerben und Wiedervernähung der Sehne meist eine Beschwerdefreiheit erzielt werden.


Sulcus Ulnaris Syndrom (Kubitaltunnel Syndrom)

Dieses Krankheitsbild zeichnet sich durch Empfindungsstörungen (Parästhesien) des Kleinfingers sowie des ellenseitigen Ringfingers aus bis hin zu Taubheitsgefühl ebenda. Häufig gehen diese Mißempfindungen mit Schmerzen einher, die bei Beugung des Armes zunehmen. Wer sich jemals den 'Musikantenknochen' geprellt hat, wird sich an das unangenehme Gefühl und die Schmerzen erinnern können.

Dekompression des Nervus ulnaris


Rheumatische Veränderungen an der Hand

Ein chronisches Rheumaleiden geht häufig einher mit einer schleichenden und schmerzhaften Gelenkzerstörung.  Die Behandlung sollte möglichst konservativ, sprich medikamentös erfolgen, wobei der Hausarzt, ein auf Rheuma spezialisierter Arzt und der Physiotherapeut eng zusammenarbeiten sollten. Erst in zweiter Linie ist der Handchirurg gefragt, z. B. wenn es um eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Bewegungseinbußen und stärkere Schmerzen handelt.

Ein Beispiel für eine durch Rheuma bedingte Veränderung:  Zeigefingerdeformität


Handtumore

Unter einem Tumor versteht man eine Schwellung, eine Geschwulst, die in den allermeisten Fällen gutartig ist. Nicht jede Schwellung muß operativ entfernt werden. Sollte das Wachstum jedoch schnell voranschreiten, stört/schmerzt die Geschwulst bei der Bewegung oder beim Greifen, geht von dem Tumor eine Gefährdung für andere Strukturen aus (z.B. drohender Druckschaden eines Nerven), oder wirkt das Gebilde unansehnlich, dann sind wir gern bereit, Ihnen zu helfen.

Ein Beispiel für einen gutartigen Knochentumor: Enchondrom


Rhizarthrose (Arthrose des Daumensattelgelenkes) 

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Hierbei handelt es sich um einen schmerzhaften Gelenkverschleiß unterschiedlicher Ausprägung des Daumensattelgelenkes, das aus dem Os trapezium*  (großes Vieleck) und dem ersten Mittelhandknochen gebildet wird. Vorrangig sollte hier ein konservatives (nicht operatives) Therapieschema mit entzündungshemmenden Schmerzmittel und/oder Injektionen (Kortison, Hyaluronsäure) sein. Erst im Falle chronischer und nicht beherrschbarer Schmerzen sieht das operative Vorgehen u.a. ein Entfernen des verschlissenen Handwurzelknochens* vor, an dessen Stelle ein aufgerollter Sehnenstreifen (Sardellenplastik) eingebracht wird. Das Ergebnis ist häufig eine deutliche Beschwerdeminderung oder sogar Schmerzfreiheit.

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