Steissbeinfistel (Sinus Pilonidalis, Pilonidalzyste)

Ein Sinus Pilonidalis (Steißbeinfistel) ist eine Entzündung des Fettgewebes, das über dem Kreuzbein oder Steißbein liegt. Nach der vorherrschenden Lehrmeinung wird diese Entzündung durch eine Fremdkörperreaktion gegen körpereigene Haare verursacht, die, nachdem sie abgebrochen sind,  in die Haut eindringen. Im Verlauf der Erkrankung kann es zu einer Fistelbildung (Gänge unter der Haut) kommen, deren Öffnung (Pit/Porus) in der Analfurche zwischen den Pobacken liegt. Am häufigsten sind Männer zwischen  20 und 30 betroffen. Die Erkrankung tritt selten vor der Pubertät und nach dem 35. Lebensjahr auf.

Die Erkrankung kann durch mehrere Faktoren hervorgerufen werden:

  • Vererbung mit familiärer Häufung
  • starke Körperbehaarung- Fettleibigkeit
  • übermäßige Schweißsekretion
  • mangelnde Hygiene 


  • Entstehung eines Sinus Pilonidalis

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Die Ursache sind wie gesagt  Körperhaare, welche abbrechen (Abb. A) und sich mit der Spitze voran in der Gesäßspalte in die Haut bohren (Abb. B). Kleine Widerhaken an den Haaren sorgen dafür, dass sie nicht wieder herausfallen, sondern sich immer weiter in die Tiefe vorarbeiten (Abb. C). Der dadurch entstandene Gang nennt sich eine Pilonidal- oder Steißbeinfistel. Kommt es zu einer Infektion in einer solchen Fistel, so entsteht ein Steißbein- oder Pilonidalabszess (Abb. D). Abszesse sind abgekapselte Eiteransammlungen bedingt durch bakterielle Infektionen. Da es sich in der Regel hierbei um Anaerobier handelt, also um Bakterien die keinen Sauerstoff benötigen, muß ein Tetanusschutz bestehen!

  •  Erscheinungsformen

Grundsätzlich werden 3 Erscheinungsformen unterschieden:
Die Diagnose kann durch Betrachtung und Betastung gestellt werden.  Eine weiterführende Diagnostik ist in der Regel nicht erforderlich. 

1. Asymptomatische Form

Der asymptomatsche Sinus Pilonidalis ist eine Zufallsdiagnose und kann lebenslang bestehen. Er kann jedoch jederzeit in die abszedierende oder chronische Form übergehen. Klinisch läßt sich eine Primäröffnung (Porus/Pit) im Bereich des Kreuz-/Steißbeins nachweisen. Es besteht zwar keine sichtbare Entzündung jedoch läßt sich eine Gewebeentzündung im Mikroskop nachweisen. Obwohl eine maligne Entartung extrem selten ist, werden immer wieder Einzelfälle beschrieben in denen es nach 10 Jahren zu Bildung von Plattenepithelkarzinomen in den Gängen gekommen ist. Aus diesem Grund empfiehlt sich eine jährliche Kontrolle um bei auffälligem Befund eine Gewebeprobe zur histologischen Untersuchung zu entnehmen.  

2. Akut abszedierende Form 

Die Steißbeinabszesse sind oft in  der Nachbarschaft der Pofalte zu finden (Abb. 2). Diese Erkrankung erfordert zur Heilung einen operativen Eingriff. Um die Schmerzen durch den Druck des Eiters zu lindern wird zunächst  ein Schnitt von ca. 1-2 cm Länge in Bauchlage und in örtlicher Betäubung durchgeführt. Die Patienten erfahren sofortige Linderung. Nur selten brauchen sie danach noch Schmerzmittel. Der Tetanusschutz wird überprüft und wenn nötig aufgefrischt und eine Antibiotikatherapie begonnen. In der Regel sind die Wundverhältnisse nach wenigen Tagen reizlos, so daß danach eine definitive operative Sanierung (s.u.) nach ca. 4-7 Tagen erfolgen kann.

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3. Chronische Form

Bei der chronischen Form liegen eine oder mehrere Öffnungen in der Analfurche vor, die entzündet sind und aus denen Sekret austritt. Um einen Übergang in die abszedierende Form zu verhindern, müssen diese regelmäßig mit einer Knopfkanüle sondiert werden und mit Kochsalz gespült werden. Eine Antibiotikatherapie ist nicht erforderlich.


Eine operative Versorgung  kann in Absprache mit dem Patienten geplant erfolgen.

Der Lokalbefund muß aber zwischenzeitlich regelmäßig kontrolliert werden.


  • Behandlungsmöglichkeiten

Die konservative Behandlung mit Antibiotika ist nur in den seltensten Fällen von Erfolg gekrönt und behebt die Ursache des Leidens nicht. Nur eine Operation kann mit grosser Wahrscheinlichkeit zum Erfolg und zur endgültigen Abheilung führen.

Chirurgische Therapie

Für die Behandlung des Sinus Pilonidalis sind verschiedenste Operationstechniken in Anwendung. Seit der Erstbeschreibung der Pilonidalfistel im Jahre 1847 durch Anderson besteht bis heute keine Einigkeit über das notwendige Ausmaß der chirurgischen Intervention. Die Lehrmeinungen reichen von einem einfachen Aufschneiden bis zur komplexen Hautverpflanzung,  z.B. Karydakis-Operation, Limberg`Lappen, Z-Plastik, V-Y-fasziokutanem Lappen.

Ein weites Ausschneiden des betroffenen Hautareals und eine offene Wundheilung birgt ein geringes Risiko des Wiederauftretens der Krankheit.  Die große Wunde am Gesäß führt jedoch zu einer schwierigen Wundbehandlung und einer langen Einschränkung der normalen Tätigkeiten. 

Wir führen deshalb in unserer Praxisklinik einen primären Wundverschluss mit seitlichem Zugang durch. Unsere Ergebnisse bezüglich Rezidivhäufigkeit (erneutes Auftreten der Erkrankung) entsprechen denen der offenen Wundbehandlung (4%) bei kürzerer Wundheilung (offen i.R. 72 Tage / primärer Wundverschluss i.R. 12 Tage).

Wir bevorzugen in der Regel die Operation nach Karydakis. Dabei wird das kranke Gewebe komplett entfernt. Die Narbe kommt  jedoch seitlich der Analfurche zu liegen. Dadurch wird die Analfurche etwas abgeflacht und das erneute Eindringen von Haaren verhindert.   

Nach der Operation

Zu erwartende Komplikationen nach der Operation
  • Nachblutung    0.7-6%
  • Infektionen      3.6-12.4%
  • Rückfallrate     4.0%
    Eine Rückfallrate beträgt bei anderen Sinus Pilonidalis Operationen im Allgemeinen etwa 4%. Der Patient kann nach primärem Wundverschluß die Arbeit bei unkompliziertem Verlauf nach 2-3 Wochen wieder aufnehmen.
Um die primäre Wundheilung nicht zu gefährden sind zwischenzeitlich zu vermeiden:
  • übermäßige sportliche Aktivität
  • überwiegend sitzende Haltung
  • Liegen auf dem Rücken
  • maximale Beugung des Beckens
Ab dem zweiten postoperativen Tag darf der Patient wieder duschen.