Analfissur

Die Analfissur gehört zu den häufigsten proktologischen Erkrankungen.  Beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen. Es kann auch jedes Alter betroffen sein.  

Definition:
Von einer Analfissur spricht man, wenn ein Riss im Bereich der Analhaut des inneren Analkanals nachgewiesen werden kann (d.h. er ist nicht von außen ohne Spreizung des Afters sichtbar).

Syptome:
Typische Zeichen sind Schmerzen beim und nach dem Stuhlgang (welche auch Stunden anhalten können!), Blutauflagerungen am Stuhl und Juckreiz im Analbereich. Die Schmerzen können so heftig sein, dass man den Analkanal nicht mehr mit dem Finger untersuchen kann.

Krankheitsverlauf:
Der Schmerz führt zu einer Verkrampfung des inneren Schließmuskels welche der Patient aber nicht wahrnimmt. Diese Erhöhung des Schließmuskeldruckes führt zu einer Drosselung der Durchblutung der Haut des Analkanals. Da die Haut zu wenig Blut bekommt (Ischämie) kann der Riss nicht abheilen und über Monate bestehen bleiben.

Diagnostik:
Bei der proktologischen Untersuchung ist es deshalb wichtig eine akuten Analfissur von einer chronischen Analfissur zu unterscheiden.  In der wissenschaftlichen Literatur wird der Begriff der chronischen Analfissur unterschiedlich definiert. Eine Gruppe spricht von einer chronischen Analfissur, wenn diese mehr als 8 Wochen besteht,  bei der anderen Gruppe müssen narbige Veränderungen des Wundgrundes und der Wundränder und ggf. noch eine Mariske oder eine vergrößerte Analpapille nachweisbar sein.  Während die Therapie einer akuten Analfissur konservativ mit Salben erfolgen kann und eine chronische Analfissur eventuell einen operativen Eingriff erfordert, definieren wir die chronische  Analfissur nicht nach der Zeit sondern nach den krankhaften Begleitveränderungen.

Aus dem Gesagten wird deutlich, dass eine Analfissur nur abheilen kann, wenn es gelingt den Druck des inneren Schließmuskels zu senken.  Placebokontrollierte Studien ergaben, dass 70-90% der unbehandelten Analfissuren im Laufe der Studie nicht abheilten.

Bei der akuten Analfissur werden deshalb spinkterdrucksenkende Salben, welche  Glycerotrinitrat  oder Diltiazem enthalten, angewendet.

Bei der chronischen Analfissur herrscht ein wissenschaftlicher Disput zwischen Deutschland und den angelsächsischen Ländern. Während die angelsächsischen Länder die sofortige Operation mit einer Teildurchtrennung des inneren Schließmuskels (Laterale Sphinkterotomie) fordern sind die Coloproktologen in Deutschland nur dafür, alles Narbengewebe unter Schonung des Schließmuskels zu entfernen und den Defekt mit einem Hautlappen zu decken (anale Verschiebelappenplastik). Grund hierfür ist, dass die  laterale Sphinkterotomie in bis zu 28% der Fälle eine Stuhlhalteschwäche nach sich zieht. Neuere RCTs (randomized controlled trials = Studien höchster wissenschaftlicher Aussage) ergeben bei der analen Verschiebelappenplastik keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich der Patientenzufriedenheit und der Rate der Fissurheilungen (70-90%).

Unsere Therapie:

  • Wir in unserer Praxis folgen bei chronischen Analfissuren einem abgestuften Therapiekonzept. Zunächst versuchen wir, innerhalb von 4-6 Wochen mit Stuhlregulation und sphinkterdrucksenkenden Salben eine Abheilung zu erzielen.
  • Bei ausbleibendem Erfolg kann eine Injektion von Botulinustoxin erfolgen (Selbstzahlerleistung!).
  • Erst wenn auch diese Therapie erfolglos bleibt, wird entweder nur das Narbengewebe entfernt oder zusätzlich eine anale Verschiebelappenplastik durchgeführt.